Interviewreihe "Im Gespräch mit ..."

05.08.2025 | Thomas Barth, Leiter der Verrechnungsstelle Bruchsal

Wir setzen unsere Interviewreihe fort und auch dieses Mal geht es um die neue Pfarrei Edith Stein Bruchsal, die zum 01. Januar 2026 aus den 13 Seelsorgeeinheiten des heutigen Dekanats Bruchsal entsteht. Timo Schroff vom Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit der SE Forst-Ubstadt-Weiher hat mit Thomas Barth gesprochen, der Pfarreiökonom der neuen Kirchengemeinde wird. Er wird somit für das Personal und die Vermögensverwaltung zuständig sein.
 
„Das Geld folgt der Pastoral. Damit Menschen sich treffen können, damit Gemeinschaft als Kirche erfahrbar wird, braucht es Räume. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.“
 
Lieber Thomas, Du bist in der neuen Pfarrei Edith Stein Pfarreiökonom und gehörst damit zum Leitungsteam neben dem gesamtverantwortlichen Leitenden Pfarrer, seinem Stellvertreter und dem Leitenden Referenten. Was werden Deine Aufgaben sein?
 
Tja, wenn man das schon genau wüsste. Die Situation ist ja für uns alle neu und ich kenne keine Vorbilder oder annähernd vergleichbare kirchliche Strukturen. Wir werden mit über 100.000 Katholiken die mit Abstand größte Pfarrei im Erzbistum Freiburg werden und haben dann mehr Katholiken als die Bistümer Görlitz und Magdeburg zusammen. Was da dann alles für Aufgaben auf uns zukommen kann man nur abschätzen, aber genau wissen tut das noch niemand. Nur dass man mal so die Größenordnung hat: In der neuen Pfarrei haben wir 1.800 Mitarbeitende, vorwiegend in unseren 69 Kindergärten und an die 300 Gebäude, verteilt auf die gesamte Fläche zwischen Rheinhausen und Elsenz und von Liedolsheim bis Bretten.
 
Das Pfarreigesetz sagt relativ einfach, dass der Ökonom für die Vermögensverwaltung sorgt und für den ordnungsgemäßen Gang der Verwaltung verantwortlich ist. Der Begriff Vermögensverwaltung ist allerdings sehr umfassend und man kann einfach sagen: Der Ökonom ist der Verwaltungs- und Finanzchef der Pfarrei. Er ist der Vorgesetzte aller nicht pastoralen Mitarbeitenden. Er soll sich um Personalsachen, Baumaßnahmen, Grundstücksangelegenheiten und natürlich auch ums Geld kümmern, und er ist für die laufende Verwaltung zuständig.
 
Der Ökonom macht das zusammen mit den Mitarbeitenden der Verrechnungsstelle und den Pfarrsekretariaten. Und er entscheidet natürlich auch nicht alles alleine. Es wird mit dem Pfarreirat und dem Pfarreivermögensverwaltungsrat zwei Gremien mit eigenen Zuständigkeiten geben, denen der Ökonom rechenschaftspflichtig sein wird.

Heute sind die Stiftungsräte einer Kirchengemeinde unter der Leitung des Pfarrers der Seelsorgeeinheit für die Vermögensverwaltung und die damit vorhandenen finanziellen Angelegenheiten zuständig. Wie wird das künftig sein? Und wie werden regionale Aspekte und Gegebenheiten einer heutigen Kirchengemeinde in der Zukunft aus der „Bruchsaler Ferne“ berücksichtigt?
 
Das wird tatsächlich ein großes Thema werden. Stiftungsräte wie bisher wird es nicht mehr geben. Es gibt als erstes den Pfarreirat, der wie bisher der Pfarrgemeinderat, den Haushalt verabschiedet und damit für jedes Jahr die pastoralen Schwerpunkte und Ziele festlegt. Daneben gibt es dann den schon erwähnten Pfarreivermögensverwaltungsrat. Der übernimmt zwar auch Teilaufgaben des bisherigen Stiftungsrats, ansonsten wird er allerdings eher eine Art Aufsichtsrat sein. DIE zentrale Rolle für das kirchliche Leben im Ort werden die Gemeindeteams haben.
 
Das Gemeindeteam ist zwar ein pastorales Gremium, aber natürlich braucht es für die Pastoral vor Ort auch entsprechende finanzielle, räumliche und personelle Rahmenbedingungen. Die Gemeindeteams sind dennoch keine Ersatz- oder Nachfolgegremien der bisherigen Pfarrgemeinde- oder Stiftungsräte. Bau- und Personalsachen fallen z.B. nicht in ihre Zuständigkeiten. Aber es wird an den Gemeindeteams liegen, dass sie Anregungen geben, was notwendig ist, um pastoral tätig sein zu können. Es wird dann darum gehen, dass bei begrenzten und zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen im Rahmen des Haushaltsplanes Schwerpunkte gesetzt werden. Bisher haben die Stiftungsräte die Wünsche vor Ort gesammelt, gewichtet und gewertet. Künftig wird dies in den neuen Gremien behandelt werden.
 
Die neue Pfarrei lebt vom kirchlichen Leben an den einzelnen Orten und es geht darum dieses pastorale Leben zu fördern und zu unterstützen. Ich sage dazu oft den Satz „Das Geld folgt der Pastoral“. Wenn es also pastorales Leben gibt, aktive Gruppierungen und Personen, dann müssen diese auch unterstützt werden.

Jede Ortschaft hat ihre Kirche, ihr Pfarrzentrum und weitere Gebäude im kirchlichen Eigentum. Auf was muss man sich im Hinblick auf den Rückgang kirchlichen Lebens in Zukunft einstellen?
 
Auch hier gilt wieder: Das Geld folgt der Pastoral. Damit Menschen sich treffen können, damit Gemeinschaft als Kirche erfahrbar wird, braucht es Räume. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Vor dem Hintergrund rückläufiger Kirchensteuereinnahmen wird sich aber das bisherige Niveau nicht halten lassen. Erzbischof Stephan spricht deshalb von einer Reduzierung um 30%.
 
Wenn wir die momentane Situation ehrlich betrachten, dann ist es doch so, dass viele kirchliche Räume und Gebäude nur gering genutzt werden und Auslastungsgrade im einstelligen bzw. sehr niedrigen zweistelligen Prozentbereich haben. Beschönigt wird mancherorts die Situation dadurch, dass Räume an fremde Gruppierungen, Vereine oder Privatpersonen vermietet werden und man dadurch das Gefühl hat, dass im Gemeindehaus viel los ist. Es kommen zukünftig also zwei Dinge zusammen. Zum einen können wir nicht mehr alles bezahlen und zum anderen – und das ist für mich fast der wichtigere Grund – brauchen wir die Räume im bisherigen Umfang doch nicht mehr. Wenn ein Gebäude nicht mehr gebraucht wird, dann sollte man sich von ihm trennen.
 
Wichtig ist, dass angemessene Räume vorhanden sind. Wird ein Gemeindehaus verkauft, dann kann man sich dem Bedarf entsprechend auch woanders einmieten. Wo es möglich ist, kann man eine gemeinsame ökumenische Nutzung von Gemeindehäusern überlegen oder Kooperationen mit den politischen Gemeinden eingehen. Selbst die Anmietung von Privaträumen gibt es schon.
 
Bei der Abgabe von Gebäuden wird es also darum gehen, unseren tatsächlichen Bedarf festzustellen. Wenn der nicht mehr vorhanden ist, wird man, vielleicht auch abhängig vom Gebäudetyp, spätestens wenn ein größerer Sanierungs- oder Reparaturaufwand ansteht, über eine Trennung nachdenken.
 
Natürlich sind das längerfristige Prozesse. Aber auf der Grundlege der bisherigen Gebäudekonzeptionen der alten Kirchengemeinden wird die Pfarrei Edith Stein alsbald ein eigenes Gebäudekonzept entwickeln müssen und festlegen, wo welche Gebäude gebraucht werden.

Auf was muss man sich in den einzelnen Regionen – genannt Beziehungsräume – bis hin zum einzelnen Ort einstellen:
  • Bezogen auf hauptamtlich Tätige?
  • Bezogen auf das kirchengemeindliche Leben, das neben Hauptamtlichkeit auch von ehrenamtlich Engagierten geprägt ist?
Die Beziehungsräume sind ja in erster Linie nur die Gebiete, in denen die Gottesdienstplanung stattfindet. Eventuell kommt noch dazu, dass sie für bestimmte Aufgaben das „Einsatzgebiet“ von Hauptamtlichen sein sind.
 
Auch wenn die Zahl der Hauptamtlichen zum 01. Januar 2026 wohl zunächst unverändert bleibt, so ist doch klar, dass die Zahl alsbald sinken wird, da wir nach den diözesanen Planungen einen gewissen Stellenüberhang haben. Entscheidend für die Gemeinde vor Ort wird aber nicht nur die Zahl der Priester und der anderen hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein. Eine ganz zentrale Funktion wird künftig das Gemeindeteam haben. Es ist für das kirchliche Leben am Ort zuständig und das ist eben mehr als ‚nur‘ ein Gottesdienstangebot. Eine Gemeinde muss aus sich selbst leben und kann sich nicht darauf zurückziehen, dass in regelmäßigen Abständen jemand von außen kommt, um mit der Gemeinde Gottesdienst zu feiern. Auf das Gemeindeteam kommt also eine große und wichtige Aufgabe zu. Wo diese Verantwortung nicht wahrgenommen wird, da ist zu befürchten, dass künftig ein „weißer Fleck“ auf der kirchlichen Landkarte entstehen wird.
 
Herzlichen Dank, lieber Thomas, für die Beantwortung dieser Fragen.